Kritik der Soziologie - Die Abstraktion "Gesellschaft"

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Soziologen erforschen alles, was andere untersuchen, noch einmal soziologisch. Politik, Religion, Literatur, Familie und Krieg entschlüsseln sie sehr eintönig als im Grund immer wieder dasselbe: als „Formen von Vergesellschaftung“ - und die braucht der Mensch, denn alleine bleiben mag er nicht. Soziologen finden nicht interessant, um was es in den verschiedenen Fällen von Gesellschaft geht, sondern dass da ein überindividueller Zusammenhang von Individuen – solange er besteht – offenbar funktioniert. Dass die heutige Gesellschaft kapitalistisch ist, halten Soziologen für eine Trivialität, die sie nicht weiter interessiert, das Nähere dazu überlassen sie den Ökonomen. Dass der Kapitalismus eine Gesellschaft ist, ist für sie nicht nur eine Wahrheit, sondern die entscheidende: Auch diesem System geht es – ihnen zufolge - um dasselbe wie jeder möglichen Sklaven- und Feudalgesellschaft: nämlich um nichts anderes als um die Integration seiner Mitglieder und seinen Selbsterhalt. Und alles, was Soziologen in dieser Gesellschaft an Institutionen, Handlungsweisen und Sitten zum Thema machen, verstehen sie immer nach ihrem sturen Schema als entweder funktionalen Beitrag zur Systemstabilität oder als ihre Gefährdung.
Mag das Fach längst nicht mehr die Modedisziplin von einst sein; ihre Quintessenzen kennt und versteht jeder. Wer kann schon sagen, was verkehrt ist an so unwidersprechlichen Einsichten wie, dass alles „gesellschaftlich vermittelt“, dass der „Mensch Produkt der Gesellschaft“ und umgekehrt die „Gesellschaft Produkt der Menschen“ und ihrer Interaktionen sei.
Der Vortrag wird sich genau darum bemühen.

Ort: 
Erlangen
Datum: 
Donnerstag, 16. Januar 2014
Gesamtaufnahme: 
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