Archiv der Vorträge

Der verordnete Pluralismus in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: Anstandsregeln einer falschen Wissenschaft

Datum
Ort
München
Dozent
Peter Decker

Eigentlich liegt es ja auf der Hand: Fächer, in denen verschiedene Meinungen über ihren Gegenstand kursieren, haben es zu gültigem, überzeugendem Wissen nicht gebracht. Früher hat man das in den Gesellschaftswissenschaften auch noch so gesehen und am unübersehbaren Unterschied zur Objektivität und Unumstrittenheit naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse gelitten; ähnlich haltbare Einsichten wollte man erst noch erzielen. Inzwischen ist jede Unzufriedenheit über den Stand des Wissens an den philosophischen Fakultäten ausgestorben. Der Zustand des Nicht Wissens ist endgültig.

Politikwissenschaft: Nachdenken nicht über den Staat, sondern für den Staat

Datum
Ort
Bonn
Dozent
Gastreferenten der Zeitschrift GegenStandpunkt

Was soll man von einem Fach halten, das von Staat und politischer Herrschaft handelt, jedoch die Frage nach Grund und Zweck der wirklichen politischen Herrschaft, die wir hier und heute erleben, durch die idealistische Suche nach einer Definition guter Herrschaft umgeht und ersetzt. Dass die Menschen in der modernen Welt von einem übermächtigen Gewaltmonopol in Schach gehalten und zum Gehorsam gezwungen werden, gilt dieser Wissenschaft nicht als ein Faktum, das sie sich zu erklären hätte, sondern als eine Selbstverständlichkeit, auf die sie meint nur noch deuten zu müssen: Herrschaft braucht es nun einmal – es kommt nur noch darauf an, dass sie gut organisiert, gut ausgeübt und für wertvolle Anliegen eingesetzt wird.

Die Moral – Das gute Gewissen der Klassengesellschaft

Datum
Ort
Bremen
Veranstalter
Argudiss
Dozent
Gastreferenten der Zeitschrift GegenStandpunkt

Gliederung des VortragesDass es der Welt an Moral fehle, meint eigentlich ein jeder. Randalierende Jugendliche in den französischen Vorstädten, die Autos ihrer Nachbarn anzünden, amerikanische Gefängniswärter in Abu Ghraib, Manager, die mit Massenentlassungen den shareholder value ihrer Firmen steigern, bestens versorgte Politiker, die dem gemeinen Mann die Rente zusammenstreichen, akademische Doppelverdiener, die keine Kinder machen und die Kinder von nebenan, die nicht grüßen – lauter Dokumente des umfassenden Mangels an Gemeinsinn, Pflichtgefühl, Menschlichkeit.

Hochschulreform heute: Von wegen "Wissensgesellschaft"!

Datum
Ort
München
Dozent
Gastreferenten der Zeitschrift GegenStandpunkt

Deutschland versteht sich, wie ähnliche Staaten, heute als "Wissensgesellschaft". Die Nation erklärt die Erkenntnis der Welt zu einem ihrer wichtigsten Lebensmittel: Wir brauchen immer mehr Wissen, mehr Forschung, mehr Studenten und akademisch gebildete Berufstätige. Warum "wir" das alles brauchen, ist kein Geheimnis und eine erste Klarstellung über die Wissensgesellschaft: Bessere Wissenschaft brauchen "wir", um die kapitalistische Standort-Konkurrenz der Nationen zu bestehen und möglichst zu gewinnen.

Schuldenerlass für die 3. Welt, Kampf gegen Armut und Korruption als "Millenniumsziel" - Der Imperialismus gibt sich menschlich: Halb Afrika wird Almosen-Protektorat

Datum
Ort
Bremen
Veranstalter
Argudiss
Dozent
Gastreferenten der Zeitschrift GegenStandpunkt

Die Großen und Mächtigen dieser Welt haben den "Ärmsten der Armen" unter den Drittweltstaaten auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Schottland einen Teil ihrer Schulden erlassen. Den Kampf gegen die Armut haben sie in der UNO zum "Milleniumsziel" erhoben. Dafür wurden sie von einem weltumspannenden Konzert und seinem Publikum als Helden der Menschlichkeit gefeiert. Endlich finden die kapitalistischen Führungsnationen zu ihrer eigentlichen Verantwortung für diese Welt: Es geht um Hilfe für Menschen in Not! So jedenfalls sieht es das begeisterte Publikum.
Dabei wären ein paar Zweifel in die edlen Motive der Staatenwelt durchaus angebracht:
- Warum sind überhaupt bei den rohstoffreichen Ländern nur die Schulden gewachsen? Und warum sind die rohstoffarmen Abnehmerstaaten so reich?